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Pyrotechniker in Bredouille

In Mölln stellte sich die Frage, soll ich schießen oder nicht?

In seiner Tätigkeit als Pyrotechniker kommt jeder Kollege einmal in die Bredouille  entscheiden zu müssen, „schieße ich das Feuerwerk“ oder „schieße ich es nicht“. Dieses Mal war wohl ich an der Reihe. Aber erst einmal von Vorne:

Im letzten Jahr erhielt ich den Auftrag, ein Feuerwerk anlässlich eines 50. Geburtstages auszurichten. Das Feuerwerk war für den 27.06.2020 in Mölln, der schönen Till Eulenspiegel Stadt im Kreis Herzogtum-Lauenburg, geplant. Nachdem die Vorbereitungen, wie Schriftverkehr mit den zuständigen Behörden und die Zusammenstellung des Feuerwerks abgeschlossen waren, hatte ich eigentlich nichts weiter zu tun als wie immer an dieser Stelle: auf gutes Wetter zu hoffen.

Der Wetterbericht sieben Tage vor dem Termin war eigentlich genauso wie ich es mir vorgestellt habe. Freitag vor dem Feuerwerk noch Regen, Samstag dann trocken. „Perfekt, so kann das doch bleiben“ dachte ich mir. Da das Feuerwerk in 100 Metern Entfernung zu einem Waldstück stattfinden sollte, musste ich dieses Mal ein besonderes Augenmerk auf die aktuelle Waldbrandstufe legen. Eine gesetzliche Regelung im Sprengstoffgesetzt gibt es dazu zwar nicht, aber wir Pyrotechniker müssen natürlich alle Gegebenheiten zum Zeitpunkt des Feuerwerks mit einbeziehen.

So sind wir beispielsweise dazu verpflichtet unmittelbar vor dem ersten Schuss die Windstärke zu messen. Wir dürfen ein Feuerwerk bei einer Windstärke größer als 6 oder 13 Meter die Sekunde nur noch dann schießen, wenn wir den Sicherheitsabstand in Windrichtung um 200 % vergrößern können. Das ist die Theorie. In der Praxis ist es aber der Fall, das der verantwortliche Pyrotechniker das Feuerwerk absagen würde. In solchen Momenten schlagen zwei Herzen in der eigenen Brust: das eine des Pyrotechnikers der sich in völliger Euphorie befindet und sich auf das Feuerwerk freut, aber auf der anderen Seite das des Verantwortlichen, der sich im Falle des Falles vor den Behörden rechtfertigen muss.

Quelle: www.dwd.de (Beispielbild vom 26.07.2018)

Es wurde mittlerweile Freitag, der Tag vor dem Feuerwerk. Ich überprüfte auf der Seite des Deutschen Wetterdienstes die aktuelle Waldbrand-Gefahrenstufe. Ich habe mich im Vorfeld mit der zuständigen Behörde darauf geeinigt, ab der Stufe fünf nicht zu schießen und bei der Stufe vier den Abbrennplatz vorher großflächig zu wässern. Dies aber auch nur dann, wenn es Donnerstag oder Freitag vor dem Feuerwerk auch geregnet hätte.

Ab jetzt begann das Bangen, Donnerstag kein Regen, Freitag kein Regen. Am Tag des Feuerwerks sollte es dann im Großraum Herzogtum-Lauenburg  immer wieder zu starken Schauern und Gewittern kommen. Nicht optimal, aber wenigstens Regen. Ich hatte schon quasi eine Standleitung zum Kunden um mir die aktuelle Wetterlage in Mölln bestätigen zu lassen. Dann, gegen 12 Uhr in der Nachbarstadt Ratzeburg ein kräftiger Schauer. Ich rief wieder beim Kunden an, aber wie so oft lachte über Mölln die Sonne…

Das Feuerwerk war für 22:30 Uhr geplant. Ich hatte also noch etwas Zeit. Dann der Anruf vom Kunden „Es fängt hier gleich an zu regnen. In Mölln Nord schüttet es schon ordentlich“.

Aber es blieb nur bei ein paar Tropfen 🙁 … es sollte einfach nicht sein. So entschied ich mich gegen 21 Uhr das Feuerwerk schweren Herzens, aber mit einem guten Gewissen, abzusagen. Sicherheit geht nun einmal vor Leidenschaft. Das nächste Feuerwerk ist ja schließlich schon in ein paar Wochen. Diesmal direkt am Wasser, da ist die Waldbrand-Gefahrenstufe eher weniger entscheidend.

Bis bald Euer

Benjamin Stolten