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Der “Polenböller” das Schreckgespenst unter den Feuerwerkskörpern.

Polenböller – Ein Begriff sorgt für große Fehlinformationen in der Bevölkerung

 

Nicht mehr lange und dann beginnt für uns Feuerwerksverliebte wieder die schönste Zeit des Jahres.


Es geht mit großen Schritten auf Silvester zu. Wie jedes Jahr freuen sich viele auf die ersten Verkaufsprospekte in denen sie die Neuheiten des Jahres bestaunen können. Nicht wenige stecken Ende November schon mitten in der Planung für ihr persönliches Feuerwerk.

Aber diese Zeit bringt nicht nur schöne Seiten mit sich. Wie jedes Jahr wird in sämtlichen Medien wieder ein altes Gespenst zum Leben erweckt. Immer wieder fällt ein Begriff im Radio und Fernsehen – die Rede ist vom „Polenböller“.


Aber was ist das eigentlich? Ein Feuerwerkskörper hergestellt in Polen, benannt nach seinem Erfinder „Pawel Böllerski“? Was verbirgt sich hinter diesem Begriff?

Der Begriff fiel nach meinen Recherchen circa Anfang bis Mitte der 90er Jahre. Feuerwerkskörper eingeführt aus Osteuropa gelangen bei Kontrollen Deutschen Zollbeamten in die Hände. Leider wurden diese Feuerwerkskörper häufig nicht bestimmungsgemäß verwendet. Es wurden damit Zigarettenautomaten gewaltsam geöffnet oder Telefonzellen beschädigt. Welcher Hobby-Pyromane kennt ihn nicht, diesen einen Satz „Gegenstand flach auf den Boden legen, am äußeren Ende der Zündschnur anzünden und sich rasch entfernen“.


Dieser eine Satz steht in Deutschland auf jedem Knallkörper der Kategorie 2 (Silvesterfeuerwerk frei zu kaufen ab 18 Jahren).


Die Medien berichteten über diese Vorfälle. Natürlich musste ein Name gefunden werden für diese Art von Feuerwerkskörper. Da viele dieser pyrotechnischen Gegenstände über Polen nach Deutschland gekommen sind, entschied man sich für den Begriff „Polenböller“. Er sollte ein Synonym für enorme Sprengkraft sowie Illegalität sein.


Heute wird dieser Begriff von den Medien gefährlich schnell und inflationär verwendet. Nicht selten tauchen in den Medien Fotos von Feuerwerkskörpern auf die der Deutsche Zoll in Grenznähe beschlagnahmt hat, auf denen aber (für Pyrotechniker) völlig legale Knallkörper oder Kugelbomben zu sehen sind. Hier könnte der Hersteller durch einen richterlichen Beschluss eine Unterlassung sowie eine Gegendarstellung erwirken, was aber in der Regel (leider) nicht passiert.


Schauen wir uns diese Artikel einmal genauer im Detail an, welche in solchen Berichten vorkommen:


Es handelt sich meist um Blitzknallkörper. Pyrotechnische Gegenstände die nicht wie in der Kategorie 2 mit Schwarzpulver, sondern mit einem Aluminiumpulver (Kaliumperchlorat) gefüllt sind.


Knallkörper dieser Art sind überwiegend nur für Pyrotechniker mit entsprechender Erlaubnis käuflich zu erwerben. Sie sind also in ihrem Dasein und ihrer Existenz völlig legal. Lediglich der Erwerb setzt eine entsprechende Erlaubnis voraus. Es ist praktisch wie bei einem PKW: Sollte ich ohne eine Fahrerlaubnis einen PKW fahren, stellt dies eine Straftat dar, aber der PKW an sich wird dadurch weder seine TÜV Plakette verlieren noch verliert er seine Betriebserlaubnis.


Kommen wir wieder zum Knallkörper zurück, dieser ist also völlig legal und zulässig WENN man eine entsprechende Erlaubnis hat.


Der Begriff „Polenböller“ an sich sorgt derweilen für große Fehlinformationen in der Bevölkerung. So kommt es vor, dass in den sozialen Medien Leute der Ansicht sind, das es sich bei „Polenböllern“ um verbotene Gegenstände handelt, die in Polen hergestellt worden sind. Das ist so schlicht weg falsch. Die meisten Pyrotechnischen Gegenstände dieser Art kommen aus:


• China
• Italien
• Spanien
• Albanien


Sicherlich wird ein kleiner Prozentsatz an Pyrotechnik auch in Polen hergestellt welcher aber so marginal ist das er kaum eine Erwähnung wert ist. Aber selbst diese Gegenstände sind mit entsprechender Erlaubnis völlig legal zu erwerben.


Wir können also daraus schließen dass es einen „Polenböller“ wie er in den Medien beschrieben wird, so in der Art und Weise gar nicht gibt. Durch neue Importgesetze, die die Einfuhr von Feuerwerkskörpern aus China regeln, wird sich die Zukunft der Knallkörper drastisch ändern. Aber darüber berichte ich in einem anderen Beitrag.


Bleibt gesund und bis zum nächsten Mal

Euer Benjamin

BS-Pyrotechnik_Feuerwerk_Hochzeit

Was kostet eigentlich ein Feuerwerk?

Wie sich der Preis für ein Feuerwerk zusammensetzt.

Die Geschichte der Pyrotechnik ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Daher ist es mir wichtig für Feuerwerke zu sprechen. Ähm Moment… falscher Text…!

Ich fang nochmal an. Also: wir gewerblichen Pyrotechniker kommen immer häufiger in die Situation, dem Kunden darlegen zu müssen warum die Dinge eben doch nicht so einfach sind, wie sie sich das vorstellen.

Mal eben ein paar Batterien hinstellen, die man beim Discounter gekauft hat, mit einem Feuerzeug anzünden und ein paar Minuten Spaß haben für 300€, das wird doch nicht so schwer sein… Aber so einfach ist es eben nicht.

Dem Kunden kann man dafür nicht mal böse sein, denn woher soll er es auch wissen. Was ein Hochzeitskleid kostet und warum es so teuer ist, weiß der Kunde. Auch was die mehrstöckige Torte für Mitternacht kostet oder der DJ – alles Dinge die man aus dem Bekanntenkreis weiß. Aber was ein Feuerwerk kostet und wie sich der Preis ergibt, ist eigentlich nicht bekannt.

Daher möchte ich heute mal dazu etwas Aufklärungsarbeit leisten. Der Preis eines Feuerwerks ergibt sich aus mehreren Faktoren. So müssen, damit das ganze fürs Finanzamt auch stimmig ist, sämtliche Betriebskosten mit einkalkuliert werden. Dabei handelt es sich um die Miete für das Lager (meist ein ehemaliger Militärbunker), sowie die Versicherungsbeiträge oder Materialkosten, wie beispielsweise die Zündanlage oder Gestelle zum sicheren Abbrennen von Feuerwerksartikeln.

Ein Pyrotechniker ist gesetzlich dazu verpflichtet eine entsprechende Versicherung für sein Gewerbe abzuschließen. Hier ist eine normale Gewerbehaftpflicht nicht ausreichend. Vielmehr sind spezielle Versicherungspolicen nötig, welche in Relation zu den möglichen Schäden die bei einem Feuerwerk entstehen können stehen. Die Schäden können dabei nicht unerheblich sein, worin sich der jährlich zu zahlende Beitrag ergibt.

Das eigentliche Material muss natürlich auch eingekauft werden. Hier ist es wichtig vorher mit dem Kunden zu besprechen WO das Feuerwerk abgebrannt werden soll.

Auf einem Parkplatz? Einer Wiese? Auf dem Wasser? Jeder Abbrandplatz für ein Feuerwerk muss vorher akribisch begutachtet werden. Mögliche Gefahren müssen entschärft werden. Hierzu zählt z.B. das Wässern einer Wiese bei Trockenheit oder das Aufstellen einer Brandwache durch die Freiwillige Feuerwehr.

Nachdem der Abbrandplatz bekannt ist können wir nun die pyrotechnischen Gegenstände für das Feuerwerk auswählen. Einige Kunden haben bestimmte Farben die sie gerne in ihrem Feuerwerk sehen würden oder ein besonderes Lichterbild in Form eines Herzens z.B.

Nachdem wir das Feuerwerk an das Budget des Kunden und an die Gegebenheiten angepasst haben machen wir uns nun an den Papierkram. Laut Sprengstoffgesetz müssen wir die zuständige Behörde zwei Wochen vor dem Feuerwerk schriftlich über unser Vorhaben informieren.  Vier Wochen vorher, wenn das Feuerwerk in der Nähe eines Flughafens oder einer Bundeswasserstraße befindet. Die Behörde muss gemäß der 1.Sprengverordnung über …

  • Name und Anschrift, der für das Abbrennen des Feuerwerks verantwortlichen Personen, sowie erforderlichenfalls Nummer und Datum der Erlaubnisbescheide nach § 7 oder § 27 des Sprengstoffgesetzes oder des Befähigungsscheines nach § 20 des Sprengstoffgesetzes und die ausstellende Behörde…
  • Ort, Art und Umfang sowie Beginn und Ende des Feuerwerks…
  • Entfernungen zu besonders brand empfindlichen Gebäuden und Anlagen innerhalb des größten Schutzabstandes…
  • die Sicherungsmaßnahmen, insbesondere Absperrmaßnahmen sowie sonstige Vorkehrungen zum Schutze der Nachbarschaft und der Allgemeinheit…

… informiert werden. Dies kann per Post oder via Email passieren.

Nachdem wir den schriftlichen Teil hinter uns gelassen haben, können wir uns nun voll und ganz auf die Planung der Show konzentrieren. Das Programm für die Zündanlage muss noch geplant und programmiert werden.

Der Tag des Feuerwerks. Es geht mit dem Transporter zum Abbrenner. Vor Ort angekommen wird der Platz erst einmal großflächig abgesperrt und Warnschilder aufgestellt. Das Feuerwerk wird an seine Position gebracht und mit der Zündanlage verkabelt. Wenn der Aufbau fertiggestellt worden ist, rufe ich in der Regel noch einmal bei der zuständigen Polizeistation an und erinnere die Wache nochmals an das Feuerwerk. Es gibt immer überfürsorgliche Bürger die beim ersten Knall sofort die Polizei anrufen. So gab es bei meinem ersten Feuerwerk 45 Anrufe in nur 5 Minuten. Diesen Rekord halte ich übrigens noch bis heute …

Nach dem Feuerwerk und den hoffentlich zufriedenen Kunden, geht es an das Aufräumen. Das abgebrannte Feuerwerk wird wieder in den Transporter geladen. Die Zündanlage, sowie sämtliche Verkabelung werden entfernt. Mit Taschenlampe und Müllsack werden grobe  Partikel die über geblieben sind gesucht und aufgesammelt.  Mit einem breiten Grinsen, aber müde geht es dann ab nach Hause. Also, wie man gelesen hat, ist ein Feuerwerk schon etwas mehr als „nur“ eine Batterie auf die Wiese stellen und diese mittels Feuerzeug anzuzünden.

Bis bald euer Benjamin von B.S.Pyrotechnik