Archiv für den Monat: Juli 2020

BS-Pyrotechnik_Feuerwerk_Hochzeit

Was kostet eigentlich ein Feuerwerk?

Wie sich der Preis für ein Feuerwerk zusammensetzt.

Die Geschichte der Pyrotechnik ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Daher ist es mir wichtig für Feuerwerke zu sprechen. Ähm Moment… falscher Text…!

Ich fang nochmal an. Also: wir gewerblichen Pyrotechniker kommen immer häufiger in die Situation, dem Kunden darlegen zu müssen warum die Dinge eben doch nicht so einfach sind, wie sie sich das vorstellen.

Mal eben ein paar Batterien hinstellen, die man beim Discounter gekauft hat, mit einem Feuerzeug anzünden und ein paar Minuten Spaß haben für 300€, das wird doch nicht so schwer sein… Aber so einfach ist es eben nicht.

Dem Kunden kann man dafür nicht mal böse sein, denn woher soll er es auch wissen. Was ein Hochzeitskleid kostet und warum es so teuer ist, weiß der Kunde. Auch was die mehrstöckige Torte für Mitternacht kostet oder der DJ – alles Dinge die man aus dem Bekanntenkreis weiß. Aber was ein Feuerwerk kostet und wie sich der Preis ergibt, ist eigentlich nicht bekannt.

Daher möchte ich heute mal dazu etwas Aufklärungsarbeit leisten. Der Preis eines Feuerwerks ergibt sich aus mehreren Faktoren. So müssen, damit das ganze fürs Finanzamt auch stimmig ist, sämtliche Betriebskosten mit einkalkuliert werden. Dabei handelt es sich um die Miete für das Lager (meist ein ehemaliger Militärbunker), sowie die Versicherungsbeiträge oder Materialkosten, wie beispielsweise die Zündanlage oder Gestelle zum sicheren Abbrennen von Feuerwerksartikeln.

Ein Pyrotechniker ist gesetzlich dazu verpflichtet eine entsprechende Versicherung für sein Gewerbe abzuschließen. Hier ist eine normale Gewerbehaftpflicht nicht ausreichend. Vielmehr sind spezielle Versicherungspolicen nötig, welche in Relation zu den möglichen Schäden die bei einem Feuerwerk entstehen können stehen. Die Schäden können dabei nicht unerheblich sein, worin sich der jährlich zu zahlende Beitrag ergibt.

Das eigentliche Material muss natürlich auch eingekauft werden. Hier ist es wichtig vorher mit dem Kunden zu besprechen WO das Feuerwerk abgebrannt werden soll.

Auf einem Parkplatz? Einer Wiese? Auf dem Wasser? Jeder Abbrandplatz für ein Feuerwerk muss vorher akribisch begutachtet werden. Mögliche Gefahren müssen entschärft werden. Hierzu zählt z.B. das Wässern einer Wiese bei Trockenheit oder das Aufstellen einer Brandwache durch die Freiwillige Feuerwehr.

Nachdem der Abbrandplatz bekannt ist können wir nun die pyrotechnischen Gegenstände für das Feuerwerk auswählen. Einige Kunden haben bestimmte Farben die sie gerne in ihrem Feuerwerk sehen würden oder ein besonderes Lichterbild in Form eines Herzens z.B.

Nachdem wir das Feuerwerk an das Budget des Kunden und an die Gegebenheiten angepasst haben machen wir uns nun an den Papierkram. Laut Sprengstoffgesetz müssen wir die zuständige Behörde zwei Wochen vor dem Feuerwerk schriftlich über unser Vorhaben informieren.  Vier Wochen vorher, wenn das Feuerwerk in der Nähe eines Flughafens oder einer Bundeswasserstraße befindet. Die Behörde muss gemäß der 1.Sprengverordnung über …

  • Name und Anschrift, der für das Abbrennen des Feuerwerks verantwortlichen Personen, sowie erforderlichenfalls Nummer und Datum der Erlaubnisbescheide nach § 7 oder § 27 des Sprengstoffgesetzes oder des Befähigungsscheines nach § 20 des Sprengstoffgesetzes und die ausstellende Behörde…
  • Ort, Art und Umfang sowie Beginn und Ende des Feuerwerks…
  • Entfernungen zu besonders brand empfindlichen Gebäuden und Anlagen innerhalb des größten Schutzabstandes…
  • die Sicherungsmaßnahmen, insbesondere Absperrmaßnahmen sowie sonstige Vorkehrungen zum Schutze der Nachbarschaft und der Allgemeinheit…

… informiert werden. Dies kann per Post oder via Email passieren.

Nachdem wir den schriftlichen Teil hinter uns gelassen haben, können wir uns nun voll und ganz auf die Planung der Show konzentrieren. Das Programm für die Zündanlage muss noch geplant und programmiert werden.

Der Tag des Feuerwerks. Es geht mit dem Transporter zum Abbrenner. Vor Ort angekommen wird der Platz erst einmal großflächig abgesperrt und Warnschilder aufgestellt. Das Feuerwerk wird an seine Position gebracht und mit der Zündanlage verkabelt. Wenn der Aufbau fertiggestellt worden ist, rufe ich in der Regel noch einmal bei der zuständigen Polizeistation an und erinnere die Wache nochmals an das Feuerwerk. Es gibt immer überfürsorgliche Bürger die beim ersten Knall sofort die Polizei anrufen. So gab es bei meinem ersten Feuerwerk 45 Anrufe in nur 5 Minuten. Diesen Rekord halte ich übrigens noch bis heute …

Nach dem Feuerwerk und den hoffentlich zufriedenen Kunden, geht es an das Aufräumen. Das abgebrannte Feuerwerk wird wieder in den Transporter geladen. Die Zündanlage, sowie sämtliche Verkabelung werden entfernt. Mit Taschenlampe und Müllsack werden grobe  Partikel die über geblieben sind gesucht und aufgesammelt.  Mit einem breiten Grinsen, aber müde geht es dann ab nach Hause. Also, wie man gelesen hat, ist ein Feuerwerk schon etwas mehr als „nur“ eine Batterie auf die Wiese stellen und diese mittels Feuerzeug anzuzünden.

Bis bald euer Benjamin von B.S.Pyrotechnik

pyrotechnik_feuerwerk_mölln

Pyrotechniker in Bredouille

In Mölln stellte sich die Frage, soll ich schießen oder nicht?

In seiner Tätigkeit als Pyrotechniker kommt jeder Kollege einmal in die Bredouille  entscheiden zu müssen, „schieße ich das Feuerwerk“ oder „schieße ich es nicht“. Dieses Mal war wohl ich an der Reihe. Aber erst einmal von Vorne:

Im letzten Jahr erhielt ich den Auftrag, ein Feuerwerk anlässlich eines 50. Geburtstages auszurichten. Das Feuerwerk war für den 27.06.2020 in Mölln, der schönen Till Eulenspiegel Stadt im Kreis Herzogtum-Lauenburg, geplant. Nachdem die Vorbereitungen, wie Schriftverkehr mit den zuständigen Behörden und die Zusammenstellung des Feuerwerks abgeschlossen waren, hatte ich eigentlich nichts weiter zu tun als wie immer an dieser Stelle: auf gutes Wetter zu hoffen.

Der Wetterbericht sieben Tage vor dem Termin war eigentlich genauso wie ich es mir vorgestellt habe. Freitag vor dem Feuerwerk noch Regen, Samstag dann trocken. „Perfekt, so kann das doch bleiben“ dachte ich mir. Da das Feuerwerk in 100 Metern Entfernung zu einem Waldstück stattfinden sollte, musste ich dieses Mal ein besonderes Augenmerk auf die aktuelle Waldbrandstufe legen. Eine gesetzliche Regelung im Sprengstoffgesetzt gibt es dazu zwar nicht, aber wir Pyrotechniker müssen natürlich alle Gegebenheiten zum Zeitpunkt des Feuerwerks mit einbeziehen.

So sind wir beispielsweise dazu verpflichtet unmittelbar vor dem ersten Schuss die Windstärke zu messen. Wir dürfen ein Feuerwerk bei einer Windstärke größer als 6 oder 13 Meter die Sekunde nur noch dann schießen, wenn wir den Sicherheitsabstand in Windrichtung um 200 % vergrößern können. Das ist die Theorie. In der Praxis ist es aber der Fall, das der verantwortliche Pyrotechniker das Feuerwerk absagen würde. In solchen Momenten schlagen zwei Herzen in der eigenen Brust: das eine des Pyrotechnikers der sich in völliger Euphorie befindet und sich auf das Feuerwerk freut, aber auf der anderen Seite das des Verantwortlichen, der sich im Falle des Falles vor den Behörden rechtfertigen muss.

Quelle: www.dwd.de (Beispielbild vom 26.07.2018)

Es wurde mittlerweile Freitag, der Tag vor dem Feuerwerk. Ich überprüfte auf der Seite des Deutschen Wetterdienstes die aktuelle Waldbrand-Gefahrenstufe. Ich habe mich im Vorfeld mit der zuständigen Behörde darauf geeinigt, ab der Stufe fünf nicht zu schießen und bei der Stufe vier den Abbrennplatz vorher großflächig zu wässern. Dies aber auch nur dann, wenn es Donnerstag oder Freitag vor dem Feuerwerk auch geregnet hätte.

Ab jetzt begann das Bangen, Donnerstag kein Regen, Freitag kein Regen. Am Tag des Feuerwerks sollte es dann im Großraum Herzogtum-Lauenburg  immer wieder zu starken Schauern und Gewittern kommen. Nicht optimal, aber wenigstens Regen. Ich hatte schon quasi eine Standleitung zum Kunden um mir die aktuelle Wetterlage in Mölln bestätigen zu lassen. Dann, gegen 12 Uhr in der Nachbarstadt Ratzeburg ein kräftiger Schauer. Ich rief wieder beim Kunden an, aber wie so oft lachte über Mölln die Sonne…

Das Feuerwerk war für 22:30 Uhr geplant. Ich hatte also noch etwas Zeit. Dann der Anruf vom Kunden „Es fängt hier gleich an zu regnen. In Mölln Nord schüttet es schon ordentlich“.

Aber es blieb nur bei ein paar Tropfen 🙁 … es sollte einfach nicht sein. So entschied ich mich gegen 21 Uhr das Feuerwerk schweren Herzens, aber mit einem guten Gewissen, abzusagen. Sicherheit geht nun einmal vor Leidenschaft. Das nächste Feuerwerk ist ja schließlich schon in ein paar Wochen. Diesmal direkt am Wasser, da ist die Waldbrand-Gefahrenstufe eher weniger entscheidend.

Bis bald Euer

Benjamin Stolten